Wie sollen die Ausbildungs- und Qualifikationsangebote der medizinischen Fachberufe zukünftig organisiert werden? In diese Frage kommt immer mehr Bewegung. Gleich vier Fachverbände aus dem Gesundheitswesen haben sich nun zu einer Initiative zusammengeschlossen, um höher qualifizierte Abschlüsse für Berufe zu erreichen, denen diese bislang versagt bleiben.
Dafür ziehen der Deutsche Verband Technischer Assistentinnen und Assistenten in der Medizin (dvta), der Verband der Diätassistenten (VDD), der Bundesverband Pharmazeutisch-Technischer Assistentinnen (BVpta) und der Berufsverband der Orthoptistinnen Deutschlands (BOD) jetzt an einem Strang. Ihr gemeinsames Ziel: Die Einführung einer gesetzlichen Modellklausel, die akademische Abschlüsse für diese Berufsgruppen ermöglicht. "Die medizinischen Fachberufe haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert", unterstreicht Andreas Pfeiffer, Fachrichtungsvorsitzender Radiologie und Funktionsdiagnostik des dvta. Der Berufsverband der MTA ist mit rund 20.000 Mitgliedern einer der größten Fachverbände in der Medizin und bei der Initiative federführend.
"Medizinisch-Technische Assistentinnen und Assistenten sind immer häufiger in Leitungsfunktionen bei Kliniken und Laboratorien tätig. Daraus wächst folgerichtig der Bedarf nach höher qualifizierten Berufsabschlüssen". Alle vier beteiligten Berufsgruppen schließen ihre Ausbildung bislang nach drei Jahren an einer Berufsschule ab. Eine geregelte Weiterqualifizierung gibt es in Deutschland nicht: Anders als im europäischen Ausland, wo beispielsweise MTA akademische Grade erlangen können. Dieser Missstand wird vor allem für deutsche Berufstätige, die ins Ausland wechseln, zu einem echten Wettbewerbsnachteil. Im Rahmen einer Modellklausel wollen die vier beteiligten Verbände erreichen, dass ihre Berufe jetzt für akademische Abschlüsse geöffnet werden.
Der Deutsche Bundestag wird sich im Herbst mit dieser Frage beschäftigen. Eine aktuelle Gesetzesvorlage sieht Modellklauseln bereits für andere Berufsgruppen wie Hebammen und Physiotherapeuten vor (Bundestags-Drucksache 16/9898). "Wir freuen uns, dass auf der politischen Ebene nun ein entsprechender Vorstoß gewagt wird und möchten den Gesetzesentwurf im Sinne einer Gleichbehandlung um unsere Berufsgruppen erweitert haben", so Andreas Pfeiffer.
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